Goalball: rasanter Ballsport für blinde und sehbehinderte Menschen

Alles zu Historie, Regeln und Wettbewerben

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Goalball ist eine paralympische Mannschaftssportart für sehbehinderte und blinde Menschen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie und mit welchen Regeln Goalball gespielt wird. Erfahren Sie außerdem mehr über die Anfänge der Ballsportart und die verschiedenen Wettbewerbe, an denen die deutsche Goalballmannschaft teilnimmt.

Inhalt:
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Was ist Goalball?

Goalball ist eine beliebte Mannschaftssportart für Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit. Die Ballsportart wird auf der ganzen Welt gespielt. Auf nationaler Ebene dürfen auch Sportler und Sportlerinnen ohne Sehbehinderung entsprechend der Regeln am Ligabetrieb teilnehmen. Die Spielweise von Goalball ist sehr ähnlich wie Torball. Abweichungen der beiden Sportarten findet man vor allem in der Größe und im Aufbau des Spielfeldes. Zudem ist Goalball im Gegensatz zu Torball eine paralympische Sportart.

Goalball-Team

Bei Goalball treten zwei Mannschaften gegeneinander an, jede von ihnen besteht aus drei Spielern auf dem Feld und drei Spielern zum Auswechseln. Wie bei Ballsportarten üblich, versuchen die Spieler einer Mannschaft, den Ball in das gegnerische Tor zu werfen.

Rasante Spielweise

Goalball ist ein sehr rasantes und temporeiches Spiel. Abwehr- und Angriffsaktionen der beiden Mannschaften wechseln sich ständig ab. In der Spitze können die geworfenen Bälle bis zu 80 km/h erreichen. Was macht einen guten Goalball-Spieler also aus? Er muss eine gute Kondition haben, exzellente Reaktionsfähigkeit beweisen und sich die Spielzeit über sehr gut konzentrieren.

Dieses Video erklärt kurz und knapp, was Goalball ist:

Die Goalball-Regeln

Goalball basiert auf einem ausgeklügelten Regelwerk, das wir Ihnen hier erklären.

Ausstattung der Goalball-Spieler

Damit alle Spieler unter den gleichen Voraussetzungen antreten, gibt es für die Ausstattung beim Goalball klare Vorgaben.

Dunkelbrillen

Da Goalball auf blinde Menschen ebenso wie sehbehinderte und sehbeeinträchtige Menschen ausgerichtet ist, tragen die Goalball-Spieler während des Matches Dunkelbrillen. So haben alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen.

Bekleidung

Für offizielle Wettbewerbe gibt es Kleidervorgaben bei Goalball. Jedes Team muss einheitliche Trikots tragen, auf denen auf Vorder- und Rückseite die Nummer des jeweiligen Spielers steht. Die Kleidung darf nicht weiter als fünf Zentimeter vom Körper abstehen. Außerdem tragen die Spielerinnen und Spieler Knie- und Ellenbogenschoner sowie gepolsterte Hosen.

Der Ball

Gespielt wird Goalball mit einem 1,25 Kilogramm schweren blauen Klingelball. Der Name ist Programm: Im Inneren des Balls, der von der Größe einem Basketball ähnelt, befinden sich drei kleine Glöckchen. Durch acht Soundlöcher wird der Klang der Glocken nach außen getragen und ermöglicht es den Spielerinnen und Spielern, die Geschwindigkeit und Wurfrichtung des Balls einzuschätzen.

Goalball-Spielfeld

Das Spielfeld ist 9 x 18 Meter groß. Die acht Meter lange Grundlinie bildet gleichzeitig die Torlinie. Am Ende der beiden langen Seiten steht also jeweils ein neun Meter breites und 1,30 Meter hohes Tor. Zur Orientierung für die Spieler ist das Spielfeld mit tastbaren Begrenzungslinien versehen. Die Linien sind mit spezieller Farbe aufgemalt, sodass sie sich rau anfühlen. Das Goalball-Spielfeld ist in drei gleichgroße Zonen eingeteilt: Eine sogenannte Teamzone vor jedem Tor sowie eine neutrale Zone, die zwischen den beiden Mannschaftszonen liegt.

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Das Spielfeld bei Goalball hat tastbare Begrenzungslinien, damit die Spieler mit Dunkelbrillen die Spielfeldgrenzen erkennen können.

Spielzeit bei Goalball

Die effektive Spielzeit bei Goalball beträgt zweimal zwölf Minuten. Die Halbzeitpause, in der die Mannschaften die Seiten tauschen, dauert drei Minuten. Liegt eine der beiden Mannschaften mit zehn Toren vorne, wird das Spiel vorzeitig beendet.

Kommt es während des Spiels zu Unterbrechungen, wird die Zeit gestoppt. Steht es am Ende der Spieldauer unentschieden, wird der Sieger durch ein Golden Goal ermittelt. Das bedeutet: Die Mannschaft, die in der Verlängerung das erste Tor schießt, gewinnt. Bei Verlängerung müssen Goalballer noch mal zwei mal drei Minuten ihr Bestes geben. Sollte es nach der Verlängerung immer noch unentschieden stehen, wird der Sieger im Penaltywerfen ermittelt. Was ein Penalty ist, erklären wir im nächsten Abschnitt.

Spielablauf bei Goalball

Das Wichtigste zuerst: Ziel des Spiels ist es, den Ball in das gegnerische Tor zu werfen oder zu rollen. Das Team, das in der Spielzeit der beiden Halbzeiten die meisten Tore gemacht hat, gewinnt. Erteilt der Schiedsrichter, der über volle Sehkraft verfügt, die Anweisung „Spiel“ oder „Play“, beginnt das Match.

Voller Körpereinsatz

Bei Goalball ist voller Körpereinsatz gefragt. Bei einem Angriff versuchen die Spieler der verteidigenden Mannschaft, den Ball abzuwehren, in dem sie sich den Gegnern in den Weg werfen. Dabei geben die Spieler alles, denn jeder Körperteil darf zum Zweck der Verteidigung eingesetzt werden. Eine Abwehraktion darf allerdings nur in der eigenen Mannschaftszone erfolgen.

Angriff und Verteidigung

Bei einer Angriffsaktion muss der Ball einmal in der eigenen Team-Zone und ein weiteres Mal in der neutralen Zone auf dem Boden aufkommen, bevor er ins Tor gezielt wird. Da eine Mannschaft nur aus drei Goalballern besteht, sind alle drei Spieler sowohl Angreifer als auch Verteidiger.

Zwischen Abwehr und Angriff hat jedes Team wenige Sekunden Zeit. Denn maximal zehn Sekunden darf der Klingelball bei einer Mannschaft sein. In dieser Zeit dürfen sich die Spieler den Ball zupassen, um sich in eine geeignete Wurfposition zu begeben.

Ein Spieler darf allerdings nur zweimal hintereinander auf das gegnerische Tor werfen. Danach muss er den Ball an einen Mitspieler abgeben. Es entwickelt sich also eine hohe Dynamik im Spiel. Mannschaften schaffen so bis zu hundert Angriffe in einer Partie.

Ruhe im Zuschauerraum

Während auf dem Spielfeld voller Einsatz gezeigt wird, müssen die Zuschauer stillsitzen. Damit Goalballer den Ball anhand des Klingelns verfolgen können, muss im Zuschauerraum absolute Ruhe herrschen. Zudem heißt es: Ohren spitzen. Goalball-Spieler versuchen während des Spiels die Bewegungen der gegnerischen Mannschaft nachzuvollziehen.

Die Stille kann auch Teil der Taktik einer Mannschaft sein. Ein Beispiel:

Alle drei Spieler einer Mannschaft treffen sich in der Mitte ihrer Team-Zone und übergeben lautlos den Ball. Danach gehen sie auseinander. Die Gegner weiß so nicht, wo der Ball ist und aus welcher Richtung er mit ihm rechnen muss.

Time Out

In einem Spiel darf der Mannschaftscoach insgesamt vier Time Outs nehmen. Allerdings dürfen in der zweiten Halbzeit nur drei Time Outs genommen werden. Da während des Spiels absolute Ruhe herrscht, ist ein Time Out die einzige Möglichkeit für den Trainer, mit seinen Mannschaftsmitgliedern zu kommunizieren und Anweisungen zu erteilen. Dafür hat er je Time Out 45 Sekunden Zeit.

Auswechslungen

Jedes Team darf im Laufe eines Spiels vier Mal auswechseln. Auch bei den Auswechslungen gibt es Einschränkungen für die zweite Hälfte des Spiels: In der zweiten Halbzeit dürfen nur drei Auswechslungen vorgenommen werden. Geht das Spiel in Verlängerung, ist eine weiterer Spielerwechsel erlaubt. Goalballer dürfen mehrmals aus- und wieder eingewechselt werden.

Muss ein Spieler wegen einer Verletzung den Platz verlassen, darf er erst zu Beginn der zweiten Halbzeit beziehungsweise bei Verlängerung wieder eingewechselt werden. Verletzungsbedingte Wechsel und Wechsel während der Halbzeitpause zählen nicht zu den vier Auswechslungen.

sportler bringen hände in der mitte zusammen
Jede Goalball-Mannschaft besteht aus sechs Spielern – drei auf dem Spielfeld und drei auf der Bank zum Auswechseln.

Strafsituationen

Kommt es zu Fehlverhalten der Spieler, werden diese mit sogenannten Penaltys – Strafwürfen – geahndet. Ein Penalty ähnelt einem Elfmeter im Fußball: Ein Spieler wirft und ein einzelner Spieler muss das Tor verteidigen.

Folgende Verstöße sind Grund für Penaltys:

  • Short Ball: Ein Spieler wirft den Ball so, dass er das gegnerische Teamfeld nicht erreicht.
  • High Ball: Ein Spieler wirft den Ball so, dass er in der eigenen Team-Zone den Boden nicht berührt.
  • Long Ball: Ein Spieler wirft den Ball so, dass er in der neutralen Zone den Boden nicht berührt.
  • Eye-Shade-Penalty: Ein Spieler fasst während des Spiels seine Dunkelbrille an.
  • Illegales Abwehren: Ein Spieler wehrt den Ball ab und berührt dabei mit seinem Körper den Boden außerhalb der Landezone.
  • Spielverzögerung: Spieler sind zu Beginn noch nicht spielbereit oder müssen während des Spiels von den Offiziellen neu orientiert werden.
  • Unsportliches Verhalten: Ein Spieler erhält maximal zwei Verwarnungen mit Penalty vom Schiedsrichter. Bei der dritten Verwarnung wird er vom Spiel ausgeschlossen. Der Spieler, der dem Spiel verwiesen wird, kann ausgewechselt werden. Diese Auswechslung zählt als eine der erlaubten Auswechslungen.
  • 10-Sekunden-Regel: Ein Team braucht nach dem ersten Ballkontakt länger als zehn Sekunden, um den Ball aufs gegnerische Tor zu werfen und der Ball überquert dabei die Mittelline.
  • Geräusche: Spieler oder Begleiter machen, nachdem die eigene Mannschaft den Ball geworfen hat, absichtlich laute Geräusche und stören so den Gegner bei der Defensivaktion.
  • Coaching: Der Trainer kommuniziert mit seinen Spielern, obwohl das Spiel nicht unterbrochen ist.

zuschauer jubeln
Jubeln ist im Zuschauerraum bei Goalball nur in Spielpausen erlaubt, denn die Spieler müssen sich voll und ganz auf das Klingeln des Balls konzentrieren.

Goalballer in Aktion

Informationen und Fakten zu Goalball sind hilfreich, aber Spieler in Aktion vermitteln den besten Eindruck der Sportart. Hier sehen Sie ein Video des Goalballspiels Deutschland gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2018:

Geschichte von Goalball

Goalball ist eine geschichtsträchtige Sportart: Der Österreicher Hans Lorenzen und der Deutsche Sepp Reindle entwickelten Goalball am Ende des Zweiten Weltkriegs speziell für Kriegsinvalide. Es sollte der physischen und sozialen Rehabilitation von blinden Kriegsversehrten dienen. 1946 wurde zum ersten Mal Goalball gespielt.

Die erste Goalballweltmeisterschaft wurde 1978 in Österreich ausgetragen. Damals waren nur Herrenmannschaften zugelassen. Bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft im Goalball im Jahr 1982 nahmen erstmals auch Damenmannschaften teil.

Goalball: Deutschland bei den Paralympics

Im Jahr 1972 wurde Goalball bei den Paralympics vorgestellt. Seit 1976 gehört die Sportart Goalball zu den Paralympischen Spielen. Waren es anfangs nur Männer, die für die Teilnahme zugelassen waren, gehen seit 1984 auch Frauenteams an den Start. Bei den Paralympics 2020 in Japan schied die deutsche Männermannschaft der Goalballer bereits in der Vorrunde aus. Die Frauen qualifizierten sich nicht. Den ersten Platz der Paralympics belegten die deutschen Goalball-Männer zuletzt 1996 in den USA.

Dieses Video zeigt Highlights der Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro im Jahr 2016:

Goalball-WM: 2022 in Portugal

Die Goalball-Weltmeisterschaft wird alle vier Jahre ausgetragen. Die jeweils 16 besten Goalball-Teams der Damen und Herren werden vom 5. bis 17. Dezember 2022 im portugiesischen Matosinhos um den Weltmeistertitel kämpfen. Die deutsche Goalball-Herrenmannschaft hat sich bei der Europameisterschaft im Jahr 2021 durch den dort errungenen vierten Platz qualifiziert. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2018 gewannen die deutschen Männer die Silbermedaille.

Goalball – die beliebte Weltsportart

Goalball gehört zu den beliebtesten Ballsportarten für sehbehinderte und blinde Menschen. Auf nationaler Ebene können auch sehende Menschen an dem Spiel teilnehmen. Das fördert die Inklusion; das Verständnis füreinander wächst. (Quelle: Deutscher Behindertensportverband) Neben internationalen Turnieren und der Goalball Bundesliga gibt es viele regionale Mannschaften für Kinder und Erwachsene. Goalball ist ein Beweis dafür, dass Sport vereint und Grenzen einreißen kann.

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Bildnachweis: Titelbild: owayo.de; Bild 2: owayo.de; Bild 3: tsuguliev/adobe.stock.com; Bild 4: Jacob Lund/adobe.stock.com